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	<title>tah &#187; Helmet&#8217;s World</title>
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	<description>mightier than all of us.</description>
	<pubDate>Tue, 18 Jan 2011 00:07:48 +0000</pubDate>
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		<title>Graveyard</title>
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		<description><![CDATA[People are sayin’ it looked like a freakin’ graveyard over here! Oh yes, yes it does. I honestly intended to have an open house to get rid of all the junk lying around but who has the time? My WordPress is outdated (yeah, askimet as well. Spammer, reload and attack!). The design feels kinda aged. I cannot and would not dare and try to move to WP 3.X with all the changes I made to the original k2 theme framework. Plus, in the meantime, I got my hands on some pretty neat domains that want to be excruciated. And some design ideas are floating in and around my head.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>People are sayin’ it looked like a freakin’ graveyard over here! Oh yes, yes it does. I honestly intended to have an open house to get rid of all the junk lying around but who has the time? My WordPress is outdated (yeah, askimet as well. Spammer, reload and attack!). The design feels kinda aged. I cannot and would not dare and try to move to WP 3.X with all the changes I made to the original k2 theme framework. And my last.fm plugins seems broken (what’s up with that?). Plus, in the meantime, I got my hands on some pretty neat domains that want to be excruciated. And some design ideas are floating in and around my head.</p>
<p>I promise, I keep the world posted on what’s going on with those projects. Until then, there are some stories to read here (mostly in German), a couple of old designs to check out and some pictures and trivia. Until we meet again&#8230;</p>
<p style="text-align: center;"><a title="Graveyard by tim58, on Flickr" href="http://www.flickr.com/photos/timdalton/200439462/"><img class="aligncenter" src="http://farm1.static.flickr.com/64/200439462_0a66fa0d0f.jpg" alt="Graveyard" width="500" height="400" /></a></p>

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		<title>Verheiratet, 1 Kind</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Feb 2007 12:27:21 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[<p>Ich bearbeite und formatiere den Lebenslauf meines Vaters. Seit nunmehr zwei Stunden verändere ich Tabellen, Spalten und Zeilen. Ändere Schrift- und Spaltenfarben, probiere es mit unterschiedlichen Stilen, Ordnungsprinzipien und -strukturen. Doch immer wieder, wenn ich am Anfang des Dokuments beginne, den Lebenslauf auf Stringenz und Kontinuität zu prüfen, bleibe ich an einer Zeile hängen:<br />
Familienstand:    verheiratet, 1 Kind</p>
<p>Ist dies meine Zukunft?&#8230;</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bearbeite und formatiere den Lebenslauf meines Vaters. Seit nunmehr zwei Stunden verändere ich Tabellen, Spalten und Zeilen. Ändere Schrift- und Spaltenfarben, probiere es mit unterschiedlichen Stilen, Ordnungsprinzipien und -strukturen. Doch immer wieder, wenn ich am Anfang des Dokuments beginne, den Lebenslauf auf Stringenz und Kontinuität zu prüfen, bleibe ich an einer Zeile hängen:<br />
Familienstand:    verheiratet, 1 Kind</p>
<p>Ist dies meine Zukunft? verheiratet, 1 Kind. Vielleicht schafft es, die richtige Frau, in mir den Wunsch nach zweien oder noch mehr Kindern zu wecken. Vielleicht klappt das. verheiratet, 1 Kind. Vielleicht steht nach einem halben Jahrhundert in der Zusammenfassung meines Lebens in der Spalte “Persönliche Informationen” – gleich nach Geburtsdatum und -ort – auch Familienstand: verheiratet, 1 Kind.<br />
Ich kann die Einwände förmlich hören: Einem Lebenslauf ist eine gewisse Vereinfachung eigen. Er ist quasi das technokratische Ortsschild einer Biographie mit den Überschriften als Landmarken. Mir geht es gar nicht so sehr um die Landmarken meines Lebens, auch erwarte ich nicht, dass nach meinem Verscheiden irgendjemand diese achtet und keineswegs, dass diese gepflegt, katalogisiert und für die Ewigkeit bewahrt werden. Nach meinem Leben kann damit verfahren werden, wie es den Nachgeborenen beliebt. Ich bin dann längst weg. Sozusagen.</p>
<p>Ein Lebenslauf ist jedoch kein Nachruf. Also erst einmal schreibt man den eigenen Nachruf gefälligst nicht selbst, noch nimmt man zu Lebzeiten Einfluss auf Formulierung und Tenor. Das verbiete ich mir. Und Andere haben meinem Vorbild zu folgen. Ich spiele mich wieder auf wie ein Greis. Das merkt man meistens daran, dass die Gedanken ungefiltert auf’s virtuelle Papier fließen. Wenn Schreibern sowas passiert, ist das Geschrei immer groß. Sie hielten sich nicht an die Grundregeln eines ordentlichen Aufbaus und schissen auf die Leserschaft. Ja, die liebe Leserschaft, gibt der virtuelle Greis in mir lautdenkend zurück. Wer jetzt noch nicht verschreckt ist, wird dies spätestens sein, wenn ich zum Knackpunkt der Kolumne zurückkehre. Noch ist es aber nicht soweit.</p>
<p>Warum haben Greise – oder netter formuliert – ältere Menschen so einen schlechten Ruf? Immer wieder höre und lese ich, wir lebten in einer altersfeindlichen Gesellschaft. Zuweilen kommt die Variante mit den Kindern auf. Dann wird schnell nach Lösungsansätzen gesucht und schnell gefunden. Von den Eltern. Das sind auch diejenigen, die für die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft insistieren – wie sie das nennen. Wir brauchen kinderfreundlichere Verkehrsmittel, schreibe ich – und der Greis in mir wundert sich, warum ich den Konjunktiv fallen lasse. Allgemein gibt es eine kinderfeindliche Haltung der Menschen. Aber wir brauchen auch mehr Krippenplätze und bessere Betreuungsmöglichkeiten und Tagesschulen. Der theoretischen Ansätze gibt es so viele; der bösen Kommentare leider auch. Damals – als ich Kind war – gab’s die Probleme auch schon; glaube ich. Nur waren unsere Eltern zu sehr damit beschäftigt, den Wirtschaftsaufschwung zu genießen und Häuser zu bauen. Das Land wurde erschlossen. Im Moment spüren wir auch wieder einen Aufschwung, nur scheint diesmal weniger Geld bei uns anzukommen. Das ist schlecht für die Stimmung. Und so werden wir wohl erstmal all die guten Ideen abarbeiten müssen, bevor wir merken, dass es Kinder zuhause am liebsten mögen, es aber gar nicht leiden können, wenn die Eltern sie am Ende – oder vielmehr am Anfang ihres selbständigen Lebens – nicht mehr von da weg lassen wollen. Weil sie plötzlich das Gefühl haben, bei der ganzen Selbstverwirklicherei die eigenen Kinder nicht kennen gelernt zu haben. Bei den Alten ist das einfacher. Da gibt es schon Krippenplätze. Die heißen Altenheime und gleichen manchmal Friedhöfen. Tah. Der versprochene böse Kommentar ist übergangslos geglückt.</p>
<p>Aber mal ehrlich. Fragt man die Alten nach ihren Problemen, wird das oft mit der Rente beantwortet, dabei wurde in Deutschland noch nie so viel vererbt wie heutzutage. Ich will mich ja gar nicht allzu sehr aufspielen. Wir sollten den Alten dankbar dafür sein, unser schönes Land und dessen Wirtschaft aufgebaut zu haben. Nichts ist schwieriger, als in entbehrungsreichen Zeiten Ruhe und Disziplin zu bewahren. Wenn man nur ein Ziel vor Augen hat. Mittlerweile geht es uns doch mehr um den Erhalt der Errungenschaften der vorigen Generationen. Wir sagen, wir wollen unseren Kindern etwas hinterlassen, ein historisches und reales Erbe, wobei wir tatsächlich Angst verspüren, die eigene Rente flöten gehen zu sehen. Wenn ich meinen Eltern eines vorhalten kann, dann nicht, dass sie sich in Zeiten wirtschaftlicher Prosperität die Taschen vollstopften (machten sie nämlich gar nicht) und auch nicht, dass sie den Generationenvertrag nicht rechtzeitig zu Grabe trugen. Ich werfe ihnen vor, mir ein Leben vorgelebt zu haben, welches sich so nicht nachexerzieren lässt. Kein Bau- und Babyboom. Kein staatlich garantiertes Rundum-sorglos-Paket. Ich werfe ihnen vor, mir vorgelebt zu haben, Glück bestünde aus Mauern und einem Dach oben drauf. Da packt man dann 1,5 Kinder rein und beerdigt im Garten eine Rotte Haustiere. Das ist nicht fair. Vorwürfe sind das allerdings selten. Und mit den eigenen Eltern kann man sich so herrlich streiten. Das geht sonst mit niemandem. Denn Eltern vergeben und vergessen. Das sollte man sich in der Tat von ihnen abschauen.</p>
<p>Wer hat gemerkt, dass ich den Bogen überspannt habe? Der Greis in mir sicher. Der Aufbau ist nun dahin und diese Kolumne findet ihre eigene Krippe. Das war jetzt wieder unpassend. Zum Glück gibt es keinen Redakteur, der mir die Hölle heiß macht.</p>
<p>Abschließend sei noch angemerkt, dass es sicherlich Schlimmeres gibt, als verheiratet zu sein mit Kind und Kegel. Oh Gott, ich klinge schon wie mein Vater. Wenn uns neben bürgerlicher Glückseligkeit und häuslicher Eintracht doch einmal langweilig werden sollte, suchen wir uns einfach ein Projekt, um die Welt im Kleinen zu verbessern. Denn verbessert werden kann immer. Ich schlüge ja Krippenplätze vor – und nennte sie kurz Kitas (Kindertagesstätte), das klingt nämlich multikultureller –, auf die Idee kam leider vor mir schon jemand.</p>

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		<title>Benzingeruch und Askese</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Aug 2006 12:22:16 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Vor kurzem war ich über einen Zeitraum von sechs Wochen in der alten Heimat gefangen. Die nordhessische Berglandschaft ist zur herbstlichen Zeit so was wie Klein-Neuengland. Nur ohne schöne feudale Häuser und ohne den Indian Summer. Ansonsten aber eine wunderschöne Gegend.
Dennoch vermisste ich die Stadt. Ich vermisste meinen Kiosk, der immer geöffnet ist. Ich vermisste die kleinen türkischen (und asiatischen) Einkaufsläden, die den Anschein erwecken, als wären grundsätzlich alle Preise Verhandlungssache. Sogar die heuchlerischen Pädagogenmenschen, die den Inhaber mit dahin gesäuseltem Wort Salam begrüßen. Naja.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor kurzem war ich über einen Zeitraum von sechs Wochen in der alten Heimat gefangen. Die nordhessische Berglandschaft ist zur herbstlichen Zeit so was wie Klein-Neuengland. Nur ohne schöne feudale Häuser und ohne den Indian Summer. Ansonsten aber eine wunderschöne Gegend.<br />
Dennoch vermisste ich die Stadt. Ich vermisste meinen Kiosk, der immer geöffnet ist. Ich vermisste die kleinen türkischen (und asiatischen) Einkaufsläden, die den Anschein erwecken, als wären grundsätzlich alle Preise Verhandlungssache. Sogar die heuchlerischen Pädagogenmenschen, die den Inhaber mit dahin gesäuseltem Wort Salam begrüßen. Naja.</p>
<p>Eine gewisse Zeit auf die gewohnten Annehmlichkeiten verzichten zu müssen, kann aber auch ein Segen sein. Richtigerweise müsste ich sagen: Die gewohnten Annehmlichkeiten gegen die vergessenen einzutauschen, ist ein Segen. Da ich im Elternhaus unterkam, fielen die alltäglichen Belastungen wie Wäsche waschen, Wäsche nicht bügeln, Essen kaufen, für Pizza bezahlen und so weiter natürlich weg. Als meine Eltern schließlich ihren wohlverdienten Urlaub antraten, hatte ich eine Woche lang sturmfreie Bude. Dennoch lud ich niemanden ein, veranstaltete keine medienwirksamen Parties und verkam auch nicht im Dreck. Eine eigene Haushaltsführung (so nennt das der Beamtenmund) war ich ja gewöhnt. Ich wurde still, es wurde still. Nur ein Geräusch lockte mich aus meinem Loch und die Instruktionen, die mein Vater mir gab, bevor er abreiste, bauten sich wie eine Blaupause vor meinem inneren Auge auf. Rasenmähen. Irgendein Nachbar hatte den Mäher angeschmissen. Ich folgte dem frohlockenden Knattern und Surren. Wenn in ländlichen Gegenden jemand seinen Rasenmäher in Betrieb nimmt, löst das einen Sog der männlichen Urinstinkte aus. Diese Instinkte sind regelmäßig aus praktischen Gründen lokal begrenzbar. Eben auf das benannte Gebiet. In der Stadt käme niemand auf die Idee, bloß, weil sein Nachbar sich schöne große Löcher in die Wand bohrt, seine Küchenzeile zu zerlegen. Aber gebt den Städtern ein Stück Wiese und einen Mäher und das Spiel ginge auch hier los.<br />
Ich stapfte also in den Garten und suchte den Rasenmäher. Geschickt untergebracht in einem mir zuvor immer verborgen gebliebenen, überdachten Zwischenraum zwischen Gartenhäuschen und Terrassenmauer, wartete er ruhig auf seine große Stunde. Und eine Stunde sollte es werden. Mein Plan mal kurz über den Rasen drüber, dann in die Laufklamotten springen und anschließend vielleicht noch ein Ründchen Basketball spielen war zum Scheitern verurteilt. Die Instruktionen beachtend brachte ich das Stück Heimwerkerstolz zum Laufen. Anfangs murrte er noch etwas, aber nach zwei, drei Metern Grasfressens hatte er Blut geleckt und versagte mir nicht mehr den Dienst. Das letzte Mal, dass ich zum Rasenmähen verpflichtet worden war, lag nahezu achte Jahre zurück. Nicht nur hatte ich vergessen, dass es mir niemals Freude brachte, auch lag es so weit zurück, dass ich ungeachtet der Folgen meine Anzugsocken trug.</p>
<p>An dieser Stelle scheint es mir angebracht, all das nutzlose Geschwafel sein zu lassen und auf den Kern dieser Kolumne vorzustoßen. Rasenmähen ist eine zutiefst erniedrigende, zeitraubende, überflüssige und unnatürliche Tätigkeit und sie sollte verboten sein. Zum einen ist Rasenmähen so nutzlos wie Frisörbesuche. Trotz der permanenten Pflege und des ganzen Schneidens wächst es und wächst es und wächst es. Mit dem Ergebnis ist man dann sowieso nicht zufrieden. Man schwört sich, es nie wieder zu tun und ab sofort zum Langhaarträger (resp.: Langgrasbesitzer) zu werden. Das Einzige, was bei dieser unmenschlichen Prozedur freigelegt wird, sind hässliche Flecken auf der Kopfhaut und Pickel (resp.: Erdlöcher, Unkraut und noch mehr Gras).<br />
Nun musste aber die Frage nach dem Rasenmähsystem geklärt werden. Sollte ich die Grünfläche in geometrischen Rastern abarbeiten oder doch besser erst die Ränder, dann die Hauptfläche mähen? Oder besser mit steigendem Grad an Frustration die Worte Fuck all gardeners! in den Rasen schreiben? Ich entschied mich für eine Mischung aus Variante 1 und Variante 2. So kämpfte ich meinen Weg an den Rändern entlang und zog weiter Kreise und Ellipsen und ersparte mir grobes Hin- und Herschieben sowie Vor- und Zurückziehen.<br />
Rasenmähen hält übrigens allen Vergleichen stand. Es ist der Gewinner aller Klassen. Es ist der Darmkrebs der Heimwerkertätigkeiten und seine Metastasen hat es auch schon ausgeworfen. Unkraut jäten, Vertikutieren, neue Saat streuen. Die Liste ist endlos. Selbst wenn man beschließt, die suburbane Freizeithölle nicht mitzumachen, also einen Wildgarten anzulegen, ist noch lange nicht Schluss. Selbst für die gleichgültige Verwilderung des eigenen Grund und Bodens bekommt man in einschlägiger Fachliteratur unzählige Tipps. Allen voran kann ich die Naturgarten-Pflichtlektüre vom Hohepriester deutscher Verwilderungstheoretiker Reinhard Witt empfehlen. Dieser Verfechter des gezielten Verwildernlassens zeichnet sich auch verantwortlich für den Naturgarten e.V., eine passionierte Organisation, die laut ihrer Website auf den schweizer Pionier des Laissez-faire-Gärtnerns Urs Schwarz zurückgeht. Damit aber genug der Personalien.<br />
Wie ich lernen musste, heißen Wildgärten seit Mitte der Neunziger nicht mehr Wildgärten, sondern Naturgärten. Das hat auch Herr Witt eingesehen und sein Buch Naturoase Wildgarten mit einem identischen Cover als Der Naturgarten herausgebracht. Oder ich habe einfach nur schlampig recherchiert. Herr Witt sehe es mir nach.</p>
<p>Ich war nun keine zehn Minuten damit beschäftigt, das laute, stinkende Ungetüm durch den Garten zu schieben, da passierte es. Mein Weg war gesäumt von kleinen, grünen Häufchen. Sie verfolgten mich. Ich war ratlos. Meine Geistesabwesenheit überwunden schleppte ich den vollen Auffangbehälter zur Biotonne (und dabei wunderte ich mich immer, warum ein Zweipersonenhaushalt eine braune Biotonne unterhält, die in Stadthäusern von sechs bis zehn Mietparteien geteilt wird). Vor zehn Jahren warf ich den grünen Abfall einfach auf den Komposthaufen. Heutzutage braucht man für Komposte eine Sondererlaubnis. Es sollte nicht die einzige Entleerung des Rasenmähergrasauffangbehälters bleiben (ich frage mich, ob es für den Behälter einen Terminus technicus gibt, mit dem Mann im Fachhandel Ersatz kaufen kann, ohne sein Gesicht zu verlieren). Viele weitere folgten. Es waren acht an der Zahl. Allerdings war ich auf das Ausmaß der Katastrophe zu Anfang nicht vorbereitet, weshalb das Zählen eventuell einen zu spät einsetzte. Dennoch sind acht Entleervorgänge eindeutig zu viel. Dies unterstreicht nicht nur die Sinnlosigkeit des Vorgangs, es steigert dessen entwürdigende Auswüchse ins Unermessliche. Es ist sogar so schlimm, dass ich mich beim Leser dafür entschuldigen muss, mit Superlativen um mich zu schmeißen in meiner Verzweiflung. Um diesen Vorgang besser zu begreifen und ihn ins rechte Licht zu rücken, stelle man sich nur einmal vor, man müsse beim Staubsaugen achtmal den Beutel entleeren. And the mind wanders…</p>
<p>Meine Kurven –Verzeihung, meine Ellipsen- wurden nun kleiner. Das baldige Ende in Sicht, ließ die Gründlichkeit nach. Ich rammte die von meinem Großonkel in gelangweilter Hobbyhandwerkermanier zusammengeschweißte Sonnenuhr und blickte ihr unbeeindruckt hinterher, als sie erst wackelte und schließlich angeschossen auf der Seite liegen blieb. Ich stoppte den Rasenmäher ohne den Motor sterben zu lassen und stieß das Metallmonster mit dem Fuß an, dass es wieder auf den vier bis sechs Beinen stand. Wahrscheinlich würde es auch meinen Vater unbeeindruckt lassen, wenn die Uhr von nun an um zwei Stunden falsch ging. Nachdem ich den letzten Weg zum Entleeren des Behälters angetreten war, zog ich die letzten Bahnen und schloss das Trauerspiel ab, indem ich ein künstlerisch wertloses Quadrat ungemähter Rasenfläche im Garten meiner Eltern zurückließ. Ich war glücklich.</p>
<p>In Nordhessen ist nicht alles schlecht. Arbeitslosigkeit und Ausgehmöglichkeiten, Öffentlicher Nahverkehr und Dorfdisko hin oder her. Anhand eines einfachen Beispiels stellt sich die Würdigung der kleinen Dinge dar. Nämlich in der Art, wie die Postboten (bzw. Zeitungsausträger) Zeitungen behandeln, manifestiert sich eine Lebensqualität.<br />
Die Geschichte spielte sich so ab: Kurzsichtig wie immer fiel mir am ersten Donnerstag im Heimaturlaub auf, dass meine ZEIT nicht ankam. Ich ging schnell ins Internet und richtete eine Urlaubsanschrift ein. Prompt eine Woche später kam meine geliebte Wochenzeitung.<br />
In meiner ersten Kölner Wohnung fand ich die ZEIT ständig zerfleddert, mit Gewalt in den schmalen Briefkasten genötigt vor. Zugegeben, der Stadtteil war nicht der beste, die Nachbarn mir allesamt unbekannt. In der aktuellen Wohnung wird die Zeitung entweder so vorsichtig in den Briefkastenschlitz gesteckt, dass sie wieder heraus fällt oder sogleich auf den Briefkasten gelegt. Letztlich muss ich sie aber von Boden auflesen. Hier aber in der nordhessischen Prärie kommt die ZEIT im Ganzen und trocken an. Die Einzelrubriken sind ferner so lose und unzusammenhängend, dass es fast den Anschein hat, als habe schon mal jemand ein Blick hinein gewagt. Ich erkläre mir das damit, dass in dieser Region hauptsächlich die Lokalzeitung gelesen wird. Als eher seltene Zeitung ist das doch einen neugierigen Blick wert.</p>
<p>Nachdem ich meine Aufgabe gemeistert und meine Hände vom grünen Anstrich befreit hatte, fiel mir auf, dass ich das Ganze ohne Mückenstich durchgestanden hatte. Als ich noch vor zwei Wochen mein Jugendzimmer bezog, wimmelte es überall von kleinen, fiesen Miststücken. In meiner Wohnung hatte ich mir über den Sommer lediglich zwei Stiche eingefangen. Wahrscheinlich beim Grillen am Rhein. Hier erschlug ich noch am ersten Abend eine Mücke, als sie gerade an meinem Oberschenkel nuckelte und fing mir einen weiteren unangenehm picklig aussehenden Stich am Trizeps ein. Und das obwohl meine Eltern in nützlich paranoidem Wahn das komplette Haus mit Fliegengittern zutapeziert hatten. Da waren Gitter an allen öffnungswürdigen Fenstern. Es gab sogar Gittertüren, die vor den eigentlichen Türen befestigt waren. Einige öffneten wie richtige Türen, andere ließen wie Schiebelemente bewegen. Und dennoch kriegten sie mich.<br />
Bis jetzt. Selbst nach einer Stunde schweißtreibender Gartenarbeit und unzähligen aufgescheuchten Fliegen, Hummeln, Bienen, Wespen, Langbeinen, Mücken und sonstigen Insekten war ich stichfrei. Wahrscheinlich roch ich nordhessisch mit all dem Gras an Beinen, Händen und Schuhen. Ich war nun einer von ihnen.</p>

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		<pubDate>Thu, 10 Aug 2006 12:16:25 +0000</pubDate>
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<p>Vor nahezu zwei Monaten entschloss ich mich, das Rauchen sein zu lassen. Heute. Jetzt. In diesem Augenblick erscheint dies, ein grässlicher Fehler gewesen zu sein.</p>
<p>Bahnreise. Nürnberg - Köln. Großraumabteil.</p>
<p>Neben mir sitzt ein hörgeschädigtes und sprachbehindertes Paar, das sich in seinem Kauderwelsch lautstark unterhält. Zu allem Überfluss hatten sich&#8230;</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>~Von der Lust, im Zug Schlafenden (unverhohlen) Nüsse in den Mund zu werfen~</p></blockquote>
<p>Vor nahezu zwei Monaten entschloss ich mich, das Rauchen sein zu lassen. Heute. Jetzt. In diesem Augenblick erscheint dies, ein grässlicher Fehler gewesen zu sein.</p>
<p>Bahnreise. Nürnberg - Köln. Großraumabteil.</p>
<p>Neben mir sitzt ein hörgeschädigtes und sprachbehindertes Paar, das sich in seinem Kauderwelsch lautstark unterhält. Zu allem Überfluss hatten sich die beiden gepaart, vermehrt und eines ihrer beiden Kinder daddelt munter, von Raum und Zeit und sonstigen Umwelteinflüssen unbeeindruckt, auf seinem Gameboy in voller Lautstärke. Was aber in diesem Theater der akustischen Grausamkeiten am meisten schmerzt, ist die Gewissheit, dass die Batterien des kleinen The Legend of Zelda-Balges länger halten werden als der Akku meines iPods. Technology sucks.<br />
In solchen Momenten wünscht man sich zurück in eine simplere Zeit. Eine Zeit von Konfirmationslagerfeuerfahrten mit analogen Musikabspielgeräten und Schokoladenriegeln, die es geschafft hatten, trotz ihrer englischen Namensabstammung sehr deutsch zu klingen. Wenn ich heute in den Snack-Shop einer Tankstelle (alternativ: Tiger-Shop) hineinspaziere, kaufe ich aus Protest und ein wenig aus geschmacklicher Überzeugung Nuts. Nüsse sind mir immer noch lieber als weder dem Englischen noch dem Deutschen zuordenbare Kunstworte auf meinen Schokoriegel. Oder wurde jemals ein Kunde Zeige- und Mittelfinger schnappend ein Twix kaufen gesehen?<br />
Eigentlich wäre dies ein hervorragendes Experiment. Und man muss nicht bei Twix aufhören. Dämliche, produktbezogene Werbegesten gibt es zuhauf, mit denen man das jeweilige Produkt ordern kann. Benötigt werden lediglich eine handvoll urbane Affenmenschen, denen die Aufgabe persönlicher Würde nur den Stundensatz auf Verhandlungsbasis wert ist. Und solche sind zu finden in den Karteien und Datenbanken der Promotionagenturen.</p>
<p>Allerdings würde ich das Experiment nicht zwingend in meinem Stammkiosk durchführen. Seit dem jüngsten Kahlúa-Missgeschick halten die mich dort ohnehin für einen gestandenen Alkoholiker mit besonders perversen Vorlieben. Als ich letztens mal wieder einen Lebowski-Abend verleben wollte, sah ich mich dem Problem erschreckender Kahlúa-Armut konfrontiert. Des Dudes Getränk der Wahl ist der White Russian. Dieser wiederum besteht zu drei Teilen aus Wodka, zu je zwei Teilen aus Kahlúa und Milch.<br />
Nun sagte der Unwissens sicherlich: „Bäh, wie widerlich! Da könnte ich doch direkt Eierlikör trinken!“<br />
Weit gefehlt. Allerdings sei zu bedenken, dass ein solcher Abend gut vorbereitet sein will.<br />
Damit auch die Ungeübten bei die Hand genommen werden, hier die Lebowski Grundausstattung:</p>
<ul>
<li> Ausreichend White Russian-Zutaten für einen längeren Zeitraum und -rückfallbedingt- für den darauf folgenden Tag. Für die Zubereitung beachte man lediglich die einfach-alles-in-ein-Glass-schütten-Eiswürfel-rein-und-umrühren-Art des Dudes.</li>
<li>Die Kleiderfrage ist für den Durchschnittsmenschen mit einigem Kopfzerbrechen verbunden. Von vorne bis hinten, von oben bis unten sollte das aber nicht danach aussehen. Eher nach dem Gegenteil. Die Kombination sollte möglichst gleichgültig zusammengestellt und aus (der letzten Ecke) der für die Kleiderspende aussortierten Restbestände gewählt sein. Wenn nicht die Simplizität des Originals erreicht werden kann (Schlappen, Jogginghose, weißes T-Shirt, Morgenmantel -allesamt fragwürdiger Herkunft und Sauberkeit-), kann natürlich vermengt und vermischt werden.
<ul>
<li>Ein Teppich</li>
</ul>
<ul>
<li>Ein Anrufbeantworter</li>
</ul>
<ul>
<li>Viel Zeit (allerdings ohne ein Gefühl für selbige)</li>
</ul>
<ul>
<li>Marihuana zur zeitweisen Gleichgültigkeitssteigerung (optional, ganz nach Gusto)</li>
</ul>
</li>
</ul>
<ul></ul>
<p>Nachdem ich lernte, dass Kahlúa nicht auf Bäumen wächst und nicht zum Standardsortiment eines gut sortierten Kiosks gehört, fuhr ich in finaler Verzweiflung um Viertel vor Acht in die Stadt zur Galeria Kaufhof, nicht vorbereitet auf die Vielfalt kulinarischer und spirituoser Köstlichkeiten. Mir wurde schlagartig bewusst, warum KarstadtQuelle Pleite gehen musste. Nicht nur schien hier niemand vor mir wegzulaufen, auch füllte der Kaufhof die Lücke zwischen Minoritätenfeinkost, Premiumtrinkertum und normalem Supermarkt. Es gab hier alles. Wirklich alles. Ich war glücklich. Ich hatte den Weg ins Ungewisse aufgenommen und war endlich am Ziel. Und das ist sehr viel für den Dude.</p>
<p>Um nicht zum Kindsmörder zu werden, begebe ich mich jetzt ins Bordbistro, mir einen White Russian zusammenschütten zu lassen, um mich dann in entspannter, gleichgültiger Genervtheit den kleinen Dingen des Lebens auszusetzen.</p>
<p>Natürlich gibt es im wahren Leben keinen White Russian im Bordrestaurant der Mitropa. Und natürlich habe ich meine Creedence Tapes vergessen.</p>

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		<title>Die Einsamkeit der DB</title>
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		<pubDate>Mon, 15 May 2006 12:15:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>helmet</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<p>Wo sich normalerweise haufenweise Menschen tummeln, versuchen, jedermann den hart erkämpften Sitzplatz streitig zu machen, herrscht heute beängstigende Leere. Auf einer der weniger populären Bahnstrecken Deutschlands unterwegs, mit einem der weniger komfortablen Züge, stellt sich die Frage nach den Tarifsystem der Bundesbahn. An der generellen Fehlbarkeit des neuen Systems soll hier nicht gezweifelt werden, andererseits trete ich auch nicht gern&#8230;</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wo sich normalerweise haufenweise Menschen tummeln, versuchen, jedermann den hart erkämpften Sitzplatz streitig zu machen, herrscht heute beängstigende Leere. Auf einer der weniger populären Bahnstrecken Deutschlands unterwegs, mit einem der weniger komfortablen Züge, stellt sich die Frage nach den Tarifsystem der Bundesbahn. An der generellen Fehlbarkeit des neuen Systems soll hier nicht gezweifelt werden, andererseits trete ich auch nicht gern in offene Wunden, obwohl der Sadist in mir es gerade zutiefst bedauert, niemals eine Fleischerlehre angefangen zu haben.<br />
Wie dem auch sei, zum ersten Mal seitdem die Bahn mir zuverlässiger Beförderer ist, bin ich höchst erfreut, nicht über ein umlagefinanziertes Tarifsystem an den reellen Kosten beteiligt zu sein. Wenn man sich durch diese Milchmädchenrechnung bei einigen ICE-Fahrten wegen notorischer Überfüllung ein Plus ausrechnen vermag, teile ich diesen Zug mit allerhöchstens fünf weiteren Insassen, das Abteil verteidigt meine morgendlicher Übelgeruch –der auch durch intensive Dusch- und Pflegerituale nicht ausgemerzt werden konnte- unangefochten, selbst der Schaffner hat die undeutlich gesprochenen Worte, die offensichtlich sein Kontrollbegehren ausdrücken sollten, nur widerwillig preisgegeben.<br />
In der allumfassenden Langeweile, die durch den Mangel an Sauerstoff und die heiße, trockene und somit einschläfernde Heizungsluft, kam mir der Gedanke zu einem Pilotprojekt. Wie lange könnte ein durchschnittlich schlampiger Mensch unbeanstandet eine nicht unterschriebene Bahncard benutzen. In der ordnungswütigen –geradezu ordnungssüchtigen Bahnbürokratie ein Frevel. Diese nicht gerade vor Kreativität strotzende Idee wird wahrscheinlich eher durch meine wirklich sehr ausgeprägte Vergesslichkeit gefördert als durch empirische Untersuchungen irgendeiner verlässlichen Wertungsmöglichkeit zuführt.<br />
Endlich kommt Pep ins Spiel. Das Abteil füllt sich um kurz vor neun und setzt dem Schwadronieren ein jähes Ende. Menschlicher Müll –wohl eine der ungewollt passendsten Alliterationen unserer schönen Sprache- erfüllt meine Gehirn mit neuer sarkastischer Energie. Die Erkenntnis, nun nicht mehr der übelst-riechende Mensch in diesem Zug zu sein, tat das ihrige. Und hätte ich mich nicht entschieden, mein Leid in verbalen Ausfluss zu verwandeln, eingestimmt in den Monolog des Selbstmitleid vergessend machenden Zwiegesprächs meines Sitznachbarn mit der alkoholgetrübten Seite seines Ichs.<br />
Seit Jahrzehnten gut und niemals verändert, &#8216;das Frühstückchen - morgens halb zehn in Deutschland&#8217;. Es war schon ein Gottesgeschenk, das der deutschen Ess- und Frühstückskultur zuteil wurde. Jedoch hätte sich keiner der damals noch nicht durch Anglizismen gepeinigten Marketingspinner träumen lassen, welche Ausprägung diese Schöpfung Jahre später erfahren würde. Von Kioskbesitzern inspiriert, etablierte sich schnell eine neue Frühstückskultur. Kaffee wird da vom Bier den Rang abgelaufen, die belegte Wurststulle fällt nun gänzlich unter den Tisch und Zigaretten passen ohnehin besser zum Bier. Sofern der dösige Dauerrausch mal kurzzeitig die Wirkung aussetzen sollte, wird zum Nothammer der Pegelkontrolle gegriffen, dem Korn. Schnell einen Kurzen in die brägige Fassade gekippt, schon hält das permanente Glücksgefühl auch weiterhin die Treue. Morgens halb zehn in Deutschland.<br />
Das wirklich Furchtbare an so einer Fahrt durch die Einöde ist die Suche nach Antworten. Was machen all die Menschen hier? Gibt es Coupons für besondere Standhaftigkeit, nicht wegzuziehen? Liegt hier vielleicht eine verborgene Stadt, zu der man nur Zutritt erhält, wenn man sich am dritten Blumenkübel am Gleis 2 in Meschede den linken Nippel drückt bis die Augen blutunterlaufen einen Eingang wittern? Was machen die Menschen hier -mal die hohe Arbeitslosigkeit der Region beiseite gelassen- in ihrer Freizeit? Vielleicht Bahnfahren? Fragen über Fragen und die Antwort kennt nur die 2000PS-Maschine des Zugwagens, die mich geduldig ins östliche Westfalen befördert.<br />
Da sich auf dieser undankbaren Zugstrecke noch weniger abspielt als auf der zugeschissenen Bahnhoftoilette in Eschwege, nutze ich die Gunst der Stunde, um eine kürzliche Geschichte zu verarbeiten, die sich –wie sollte es anderes sein- in einem Transportmobil der DB zugetragen hat. Bahnfahrten in nicht überfüllten Zügen sind eine Wohltat. Man entkommt dem Einheitsbrei menschlicher Regungen leichter. Wo sonst die Ausdünstungen Vieler, unterstützt vom monotonen Gleichklang hirnloser Gesprächsfetzen Denken verhindern und den Körper zu einem ungesunden Dösen zwingen, während der Geist verhallend rebelliert, regiert in leeren Abteilen die unbefleckte heiße Dämmerluft. Man kann nun nicht mehr ungezwungen Einzelpersonen in der Masse sondieren. Die Opfer müssen reiflicher ausgewählt werden, bieten aber im Einzelfall mehr Angriffsfläche für Boshaftigkeit. So fühlte ich mich auf meiner lang ersehnten Fahrt von Köln nach Kassel, um die Feiertage auf christliche Weise mit der unchristlichen Familie zu verbringen, wie auf einem Ausflug mit der Kreisjugend nach Südfrankreich, bei der wahllos Freiwillige genötigt werden, auf engstem Raum zwei Wochen die Schönheit der Cevennen zu einer hassenswerten Erinnerung werden zu lassen, während die pädagogisch stets voll qualifizierten Betreuer mit zu viel Vergütung für zwei Wochen Urlaub und dem Gefühl, einen erziehungswissenschaftlich wertvollen Beitrag geleistet zu haben, nach Hause fahren dürfen.<br />
Mir viel sofort die Abwesenheit nörgliger Rentner im Abteil auf. Dieser seltsame Schlag Restmensch, der seine Zeit damit verbringt, das Streckennetz aller Regionalbahnen im Geltungsbereich des Wochenendtickets auswendig zu lernen. Rentner treten auch immer im Rudel auf, wobei die Aggressivität, mit der sie vereinnahmend alle entgegengebrachten Widerstände verdrängen, vergleichbar ist mit der einer Marokkanergang in Marseille. Ich kann nicht ohne rot zu werden behaupten, ich hätte &#8217;so ganz allgemein eigentlich nicht gegen Rentner, so im Alltagsleben&#8217;. Nicht nur im öffentlichen Nah- und Fernverkehr vergeht mir die Lust zu altern, wenn das die unumgängliche Konsequenz sein soll. Auch in Kaufhäusern, Arztpraxen und überall, wo man selten hingeht, treibt sich diese ziellose Ordnungs-Gestapo herum. Vereinsamt und gelangweilt verpesten sie die Luft in den großen Kaufhäusern oder warum sonst ist die Luft im Kaufhof immer so unerträglich sauerstoffentwöhnt?</p>
<p>to be continued&#8230; maybe</p>

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		<pubDate>Sat, 22 Apr 2006 12:23:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>helmet</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Helmet's World]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Niemand sollte beim Kacken ans Telephon gehen.</p>
<p>Das stelle ich erstmal einfach so in den Raum, bevor&#8217;s gleich richtig losgeht.<br />
Mein dritter Mitbewohner -das ist das moderne Äquivalent zur dritten Exfrau- verbot mir seinerzeit, Anrufe entgegenzunehmen auf dem Lokus. So sehr mir bisweilen die Vorstellung zuwider ist, mein Gesprächpartner beschäftigt sich mit Dingen, die besser privat bleiben. So klar kann ich jedoch&#8230;</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Niemand sollte beim Kacken ans Telephon gehen.</p>
<p>Das stelle ich erstmal einfach so in den Raum, bevor&#8217;s gleich richtig losgeht.<br />
Mein dritter Mitbewohner -das ist das moderne Äquivalent zur dritten Exfrau- verbot mir seinerzeit, Anrufe entgegenzunehmen auf dem Lokus. So sehr mir bisweilen die Vorstellung zuwider ist, mein Gesprächpartner beschäftigt sich mit Dingen, die besser privat bleiben. So klar kann ich jedoch die Ruhe, Gelassenheit, ja zeitweise Gleichgültigkeit, nachempfinden, welche diesem Orte anhängt. Wahrscheinlich ergäbe eine Suche nach Umgebungen und Situationen, in denen außergewöhnliche, lebensverändernde Entscheidungen mühe- und reuelos gefällt werden können, eine konkurrenzlos kurze Liste. Ad hoc fällt mir hierzu nur noch der Morgen nach einer drogenverseuchten Nacht ein, an dem man sich kurzweilig der Konfrontation stellt, um anschließend unvermittelt zurück ins Bett zu versinken.</p>
<p>Einen Ruhepol zu schaffen, der zwar von Gleichgültigkeit beherrscht wird, ohne allerdings in Antriebslosigkeit und Fatalismus abzudriften, stellt mich vor eine schwer lösbare Aufgabe. Augenblicklich sitze ich in einem McCafé am Düsseldorfer Flughafen und lasse mich auf Großleinwand über Ronald McDonald&#8217;s Errungenschaften aufklären. Mir war bisher nicht bewusst gewesen, dass McDonald&#8217;s einen &#8220;Corporate Fernsehsender&#8221; unterhält. Das ruft unweigerlich die Erinnerung an das Nordkoreanische Propaganda-Radio hervor. Offenbar hatten die kommunistischen Strategen sich eine besonders perfide Methode permanenter, unumgänglicher propagandistischer Beschallung ausgedacht. Sie ließen in jede Wohnung in Pjöngjang Radiogeräte einbauen, die man zwar leiser, jedoch nicht ausschalten konnte.   Mein Gott, die armen &#8220;Corporate Whores&#8221; des McDonald’s-Konzerns.</p>
<p>Nach einem dem Gesetz Murphy&#8217;s artverwandten Gedanken ziehen Menschen immer genau jene Belästigung an, die ihnen am scheußlichsten vorkommt und ihre innere Festigkeit am leichtesten verflüssigt. In meinem Falle finden mich schreiende, kleine Kinder und spuckende Babys überall dort, wo ich auf Stille angewiesen bin und insofern verwundbarer. Nicht einmal Anthony And The Johnson&#8217;s &#8220;My Lady Story&#8221;, das in ungesunder Lautstärke den Weg in mein Trommelfell findet, kann mich beschwichtigen. Hier hilft keine Aversionstherapie. Dieses hochsonore Kreischen und Quieken geht durch Mark und Knochen. Eigentlich wollte ich diese Kolumne nach einem kurzen Ausflug in das Unsagbare geschickt überleiten in eine dezidierte Gegenüberstellung der Störfaktoren von Bahnhöfen und Flughäfen. Dies schien mir nach meiner Ankunft natürlich. Nachdem eine brennende Lock der Deutschen Bahn meinen vormittäglichen Flug auf neun Uhr abends verlegt hatte, war nicht nur die Schuldige leicht identifiziert, auch kamen schmerzliche Erfahrungen ellipsenförmig und schwungvoll zu mir zurück. Die Deutsche Bahn durfte nicht straffrei davonkommen. Diese von lüsterner Punitivität getriebene Einschätzung änderte sich aber bald. Zehn Stunden in einem Flughafenterminal zu verbringen, stellt ungewohnte Anforderungen an Mann und Material. Auf einen solchen Ausharrmarathon war ich weder mental, physisch noch hinsichtlich meiner Ausrüstung und des Proviants vorbereitet. Und erneut schunkelt sich Murphy lachend in seinem Grabe in den Schlaf.</p>
<p>In Augenblicken persönlicher Not wirkt klassisches &#8220;Verkaufen&#8221; besonders demoralisierend. Und ich lernte, dass &#8220;Bonaqa sports citrus&#8221; scheußlich schmeckte, frischer Kaffee des McCafés jedoch gut trinkbar war. Vielleicht arbeiten die Belüftungstechniker des Flughafens aber auch mit widerstands- und rebellionsgedankenhemmenden Substanzen in der Klimaanlage. Die Region meiner Magengrube, in der noch eben die Frau vom Ticketschalter der Air Lingus durch ihre Äußerung einen Vulkanausbruch auslöste, das Flughafenpersonal am Sicherheitscheck habe nicht zur Aufgabe, am Gate anzurufen, um sie auf einen fehlenden Passagier aufmerksam zu machen, der mangels geöffneten Check-In-Schalter keine Bordkarte erhielt und nun besser seinen Flug verpasste, war trotz Unmengen Kaffees wieder zur Ruhe gekommen.<br />
Ich vergaß also in der Folgezeit den Sponsor dieses freitäglichen Debakels und konzentrierte mich auf die dem Flughafen inhärenten Ärgernisse. Und davon gab es hier reichlich.</p>
<p>Beginnen möchte ich mit der Abwesenheit gut ausgestatteter Buchläden; wobei sich still eine Parallele zum gängigen Bahnhofsgeschehen auftut. Meine bereits erwähnte, unangemessene Ausrüstung war ursächlich, dass mir nach einer Stunde der Lesestoff ausging. Da mich die typischen Bestsellerlisten eher langweilen (und ich durchaus auf die Veröffentlichung im Taschenbuchformat warten kann) und ich -aufgrund der vielen guten, ungelesenen Bücher zu Hause- nichts in der Not kaufen wollte, hoffte ich einerseits auf das Glück des verzweifelt Suchenden, und andererseits klammerte ich mich -zugegeben, etwas realitätsfern- an die Hoffnung, endlich nach Abebben des &#8220;Hunter S. Thompson&#8221;-Hypes mich seiner Schreibe widmen zu können.<br />
Welche Enttäuschung. Drei Zeitschriftenhändler im frei zugänglichen Bereich des Flughafens und kein Hunter. Das übrige Angebot im bestsortierten der drei Läden machte wenig Schaden wieder gut. So kaufte Haruki Murakami&#8217;s &#8220;Kafka am Strand&#8221;, was a priori nur als Notlösung bezeichnet werden kann.</p>
<p>Völlig übergangslos mache ich mich jetzt über die Beförderungsbänder her. Damit sind nicht etwa Gepäckbänder gemeint, obwohl es hierzu tausende Filmanekdoten geben muss. Gerstenkorn im Auge meiner Flughafenärgernissynopse sind jene Bänder, die aussehen wie flache Rolltreppen und die -wie auch ihre höhenmeterüberwindenden Geschwister- zum Trippeln, Drängeln und &#8220;Links geht, rechts steht&#8221;-Blöken verführen.<br />
Für welchen Typ Mensch ist die Geschwindigkeit dieser Dinger eigentlich bemessen? Noch nie zuvor hörte ich von einer rentnerfressenden Rolltreppe. Beförderungsbänder an Flughäfen bewegen sich nicht auf und ab, was sich zumindest positiv auf die Fallhöhe auswirkt. Und mal ehrlich: Der erste Tritt auf ein solches Band entspricht nicht gerade dem Sprung in die schäumende Gischt einer North Shore-Welle.</p>
<p>In chronologisch unsortierter Manier stehe ich erneut vor dem Air Lingus-Ticketschalter und werde für die technische Rückständigkeit der Deutschen Bahn bestraft (ich habe Dich nicht vergessen, Baby!). Wie befürchtet sind Umbuchungen bei Billig-Airlines eine willkommene Einnahmequelle neben ansonst recht knapp bemessenen Margen. Wie sonst vorrangig von Mobilfunkanbietern gewohnt, ist jede Leistung, die statt vollautomatisierter Bearbeitung eine 3-Klick-Eingabe durch einen Menschen erfordert, mit beträchtlichen Bearbeitungs- bzw. Verwaltungsgebühren verbunden.<br />
&#8220;Dies macht dann eine Umbuchungsgebühr von 30 Euro.&#8221;   Oh, das ist nicht so schlecht, dachte ich voreilig.<br />
&#8220;NATÜRLICH kommt da noch eine Bearbeitungsgebühr von 75 Euro zu.&#8221;   Ich möchte mich an die Formulierung &#8220;Strafgebühr&#8221; erinnern, aber die Koffeinüberdosis trübt meinen Verstand.</p>
<p>&lt;chicks&gt;<br />
Neben rein nervenden Faktoren halten Flughäfen allerhand Beobachtungen parat. Eine dieser ist der Überschuss an gutaussehenden Flughafen-, Airline- und Servicepersonal. Aber auch zwischen den Passagieren findet sich das eine oder andere optische Bonbon. Einer Theorie zufolge lässt sich eine kleine Sneak Preview erhaschen auf den Zustand einer jungen, attraktiven Frau, indem man ihre Mutter betrachtet. An Orten regen Publikumsverkehrs offenbaren sich sehr unterschiedliche Ausprägungen dieses Phänomens. Es gibt hässliche Frauen mit schönen Müttern. Nun ja, die These wackelt und die Töchter fühlen sich beschissen. Die schönen Frauen mit den hässlichen Müttern bringen zwar wieder etwas Ruhe in das Gedankenkonstrukt, schlagen mir jedoch auf den Magen. Diese Sorte Frau strahlt im Augenblicke erstmaligen Beobachtens enormen Reiz aus, ist allerdings wie frische Vollmilch mit einem Ablaufdatum versehen; oder wie man im Englischen trefflicherweise sagt mit einem &#8220;best before&#8221;-Datum.<br />
&lt;/chicks&gt;</p>
<p>Das Geräusch, welches mein Toilettennachbar absonderte, als er einen Anruf entgegennahm, klang nach &#8220;Yep&#8221;, nur schneller gesprochen. Quasi die arabische Antwort auf &#8220;Pronto&#8221;, weniger aufdringlich und weniger als Milieuzugehörigkeitbekenntnis gedacht.<br />
Der Anrufer war eindeutig weiblich. Schlagartig war ich beeindruckt von der Gelassenheit des Verweilenden; die a posteriori natürlich Sinn macht. Dennoch bin ich entschieden dagegen, jemals jemandem zu gestatten, ein Gespräch an diesem Orte entgegenzunehmen. Der Sprache des Angerufenen nicht mächtig, war ich darauf beschränkt, mich auf Ausdruck und Intonation zu konzentrieren. So entging mir kein Zittern der Stimme, kein erleichtertes Ausatmen, kein druckbedingtes Stocken-und-Wiederaufnehmen, selbst der Wasseraufprall der Erleichterung war deutlich hörbar.</p>
<p>Niemand sollte beim Kacken ans Telephon gehen.</p>

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		<title>Der Alptraum meiner Generation</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Mar 2006 12:11:43 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[<p>Hat schon mal jemand versucht, den Alptraum meiner Generation zu benennen?<br />
Zur Erklärung: Meine Generation wurde vor der in die Welt entlassen, für die das Mobiltelephon als Ausrede herhalten muss, weder Lesen noch Schreiben geschweige denn die Lokalzeitung eines mittelprächtig primitiven Einödkaffs begreifen zu können.<br />
Ich bin einer der Wenigen meines Jahrgangs, der sich nur aus einem einzigen Grunde daran erinnert, warum&#8230;</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hat schon mal jemand versucht, den Alptraum meiner Generation zu benennen?<br />
Zur Erklärung: Meine Generation wurde vor der in die Welt entlassen, für die das Mobiltelephon als Ausrede herhalten muss, weder Lesen noch Schreiben geschweige denn die Lokalzeitung eines mittelprächtig primitiven Einödkaffs begreifen zu können.<br />
Ich bin einer der Wenigen meines Jahrgangs, der sich nur aus einem einzigen Grunde daran erinnert, warum die Rechtschreibreform ein Desaster war –nämlich, weil durch deren Einführung der Vorsprung der Leistungsträger im Deutsch-LK frappant geschmälert wurde. Zumindest wurde die Regellandschaft für die letzten Jahre Schulmarter zu unübersichtlich, so dass der geisteswissenschaftliche Lehrkörper kurzerhand beschloss, fortan keine Verstöße mehr zu ahnden.<br />
Besonders stolz im Zusammenhang mit Generationsfragen bin ich jedoch auf meine Abneigung gegen das Wort &#8216;Handy&#8217;. Von ganz Cleveren auch &#8216;Händy&#8217;, von noch Clevereren &#8216;Handie&#8217; geschrieben (die Mischform verkneife ich mir besser). Wozu ein anglistisch anmutendes Unwort für eine Sache verwenden, die in ihren Ursprüngen überhaupt nicht &#8216;handy&#8217; war? Hierbei sei besonders an dessen Vorgänger erinnert, das Funktelefon. Ein furchtbar klobiger Kasten, der gegenüber dem Autotelefon den entscheidenden Nachteil hatte, dass man das Mistding tatsächlich herumschleppen musste anstatt protzig im S-Klasse Cabriolet durch die Innenstadt zu schunkeln.<br />
Mobiltelephon klingt auch viel besser. Jeder weiß sofort, wovon die Rede ist. Dagegen ließe sich sicherlich einwenden, mittlerweile sei jedermann des Begriffs &#8216;Handy&#8217; gewahr geworden. Ja, zugegeben. Die Dinge sind gut wie sie sind. Außerdem wird dem mittelmäßigen Sprachpuristen und Durchschnittsurlauber einmal im Jahr die Genugtuung der Überlegenheit zuteil, wenn sich noch durchschnittlichere Fremdsprachenspastiker darin versuchen, (idealerweise) Muttersprachlern zu erklären, dass man mit diesem Triband-fähigen &#8216;Händie&#8217; in der gesamten zivilisierten Welt den Menschen zu Hause, die eigentlich froh sind, endlich mal eine Pause von den ewig Nervenden zu haben, überteuert und unheimlich komfortabel auf die Nerven gehen kann.<br />
Natürlich nenne auch ich ein mobiles Kommunikationsgerät der neueren Generation mein Eigen; lediglich ohne den überflüssigen Firlefanz wie Kamera, buch-lange SMS und mehr flexiblem Flash-Speicher als im ersten industriellen Großrechner zu finden war. Absolut lebensunfähig bin ich zudem auch ohne mein Mobiltelephon. An Tagen mit mehreren Dauergesprächen, die jeden Akku in die Knie zwingen würden, macht sich schon beim vorletzten Balken der Akkustandsanzeige am späten Nachmittag ein Gefühl der Angst breit, den Abend empfangslos, von der Welt abgeschnitten, verbringen zu müssen. Und dabei zähle ich mich mitnichten zu den Menschen, die überaus oft am Telephon belästigt werden.<br />
Meine zweite große, mediale Sucht ist mein Computer. Nicht nur ein schnöder Personal Computer –Desktop Computer–, sondern ein Notebook nenne ich mein Eigentum. Kein Besonderes, nicht einmal ein besonders zuverlässiges. Ehrlich gesagt ist das Miststück schon wieder in Reparatur. Mittlerweile beginne ich, das ganze positiv zu sehen. Die zeitweise Trennung von der Maschine lässt mich die Wahrheit gewärtigen. Meine völlige Unterordnung unter die Werte meiner Zeit. Wenn die Verschmelzung von Mensch und Maschine schon so weit fortgeschritten ist wie bei mir, braucht es die Trennung von Zeit zu Zeit, um nicht den Bezug zur Realität zu verlieren. Prinzipiell stehe ich hinter dieser Radikalkur der Dedigitalisierung, der Reanalogisierung. Und hätte ich nicht alle meine CDs in handliche, kleine MP3-Dateien umgewandelt, die Originale unerreichbar weit entfernt eingelagert, meinen CD-Player folgerichtig gleich mit den CDs eingemottet, dann aber doch durch einen MP3-fähigen DVD-Player ersetzt, diesen jedoch weggegeben mit der äußerst dämlichen Begründung und Verzückung, wie vielseitig das Notebook doch sei –anschließbar an die HiFi-Anlage, den Fernseher und außerdem eine schicke Schreibmaschine; mein Leben wäre einfacher.<br />
Jetzt sitze ich hier allein. Es ist still. Fast einsam. Ich bin schockiert. Schockiert ob der Tatsache, zum ersten Mal seit einem 18-seitigen Urlaubsbericht aus einem Ferienlager in Südfrankreich meine Gedanken in Handschrift zu Papier bringen zu müssen. Ernüchtert ob der Tatsache, bei Rückkehr des Gerätes aus den fleißigen Klauen der Service-/ Reparatur-Sklaven eines deutschen Elektronik-Discounters dies alles abtippen zu müssen.</p>
<p>Man kann Langeweile auch anders begegnen.<br />
Als weltversessener Nörgler (frag&#8217; mich nicht wie das geht) habe ich so meinen eigenen Umgang mit den Dingen. Nachdem ich mit viel zu wenig Schlaf um halb neun notgedrungen aufgestanden bin, versuche ich mich mit dem Gedanken anzufreunden, meinen Vormittag kräftezehrend und sinnlos zuzubringen. Zu erschöpft für eine richtige Tageszeitung –womöglich gespickt mit dem, was die Mehrzahl der Bundesbürger fälschlicherweise für Politik hält- widme ich meine Aufmerksamkeit einigen anspruchslosen Magazinen. Leider bekommt der Morgenkaffee einen hässlichen Beigeschmack nach zementartigem Bohrstaub, der den Weg aus kolossalen Löchern in die Wohnung meines Nachbarn sucht. Zum Glück ist das Apartmenthaus, in dem ich mein Loch (liebevoll Wohnklo genannt) bezogen habe, groß genug, um die Person, mit der man eine Wand teilt, nicht kennen zu müssen. Die größte Errungenschaft der industrialisierten Welt. Die Einsamkeit der Großstadt. Aber mal ganz ehrlich: Für baulich-gestalterische Verschönerungsmaßnahmen eine ungewöhnliche Zeit. Halb zehn Uhr morgens. Zu dieser Uhrzeit sind regelmäßig nur wenige Spezies Mensch zu Hause. Studenten und Langzeitarbeitslose. Kein ernstzunehmender Student hat zu diesem Zeitpunkte den Kater vom vorabendlichen Suff überwunden. Selbst die Besseren dieser untersten Kaste menschlicher Lebensformen befinden sich gerade erst in mentaler Vorbereitung der ersten Vorlesung nach dem Mensagang um 13 c.t.<br />
Als ehrenhafter Arbeitsloser wacht man gerade erst auf, um festzustellen, im Dauerwerbeblock zwischen Sexwerbung / Teleshopping und Frühstücksfernsehen eingeschlafen zu sein und erneut um die lebensschwangere Erkenntnis bereichert, dass zu viel Fernsehen –besonders des Nachts- schlafstörend wirkt und man zeitweise mit hinterhältigsten Kopfschmerzen aufwacht, die sogar einer Doppeldröhnung ACC-Akut standhalten, denn gegen Schlafentzug helfen weder Medikamente noch Alkohol.<br />
Dieser Nachbar ist anders. Ganz offensichtlich. Vielleicht ein einsamer Hauptschullehrer auf Urlaub mit unermüdlichem Tatendrang in eigenen Angelegenheiten. Nein, das deutsche Schulsystem sorgt gut für seine Diener. Kein Lehrer ohne ein gesteigertes Drogenproblem abseits von billigem Rotwein und einer Magnumpackung starker Zigaretten zöge in ein solches Apartment. Anstatt hier dumm herumzusitzen und mich zu ärgern könnte ich meine Wohnungstür öffnen, drei Schritte nach rechts gehen, an eine Tür klopfen, die meiner erstaunlich ähnelt, und demjenigen, der öffnen würde, ein Glas anständigen Cabernet Sauvignons mit zwei Aspirin darin aufgelöst anbieten.<br />
Wahrscheinlich eine meiner schlechteren Ideen. Erstens ist die Chance ein spanisches Partygirl anzutreffen, das komatös den Morgen mit dem Abend verwechselt und ständig ausgehwütig der Preisinflation in der Gastronomie durch kompromissloses &#8216;Vorglühen&#8217; begegnet, sehr gering. Zweitens wären ihre handwerklichen Fähigkeiten wohl nicht so weit ausgeprägt, um mehr als Tesa® Powerstrips® zu verkleben.<br />
Außerdem: Wer in Gottes Gnade ist denn bitte zu solchen Höchstleistungen imstande im Angesicht der bitteren Erkenntnis, dass Kaffee nicht gegen schlechte Laune hilft?</p>
<p>Dieser Tag ist hoffnungslos verloren. Mein Notebook ist nach stundenlangem Warten von einem Paketdienst abgeholt worden und ich alleingelassen mit der Erkenntnis der eigenen Nutzlosigkeit. Zu müde für produktive Beschäftigung mit der Welt, zu wach, um den verpassten Schlaf nachzuholen, zu nüchtern, um am Leid der Welt über den Fernseher teilzuhaben, zu hungrig, um einkaufen zu gehen und im Moment zu talentamputiert, um aus den Resten meines Nahrungsmittelvorrats etwas Essbares herzuleiten. Dieser Tag wird wohl –wie so viele vor ihm- hungrig mit trashiger Literatur im Bett verbracht. Und wenn&#8217;s nicht ganz zur Literatur langt, nennen wir&#8217;s halt Belletristik. Schrott bleibt es dennoch.<br />
Und damit hätte ich den Bogen zum Kern der heutigen Erkenntnis geschafft. Alptraum meiner Generation ist mit zu viel Energie zum Nichtstun, zu wenig zum Aufstehen, lesend im Bett liegen zu müssen (mit dieser Weisheit komme ich sicher nicht in irgendwelche Analen). Wir können das zwar: Lesen. Aber warum so viel Aufwand für so wenig Information. Vor allem, wenn man sich das Ganze auch vorlesen lassen kann. Von netten Männerstimmen vorgetragen, in beruhigender Tonlage. Dumm ist nur, wenn man so fortschrittlich ist, dass man keine CDs abspielen kann.</p>
<p>Ich befinde mich in der medialen Steinzeit. Meine Hand schmerzt vom Schreiben, vor lauter Stille kann ich die Stimmen in meinem Kopf wieder hören und später wird mich die Embryonalstellung beim Lesen endgültig ans Bett fesseln.</p>

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